Kurz gesagt: Wir haben im Oktober 2026 die Websites von 298 kleinen Betrieben aus 16 Städten im Ruhrgebiet automatisch geprüft, vom Elektriker über die Pizzeria bis zur Steuerkanzlei. Ergebnis: Fast jede fünfte Startseite war nicht sauber über eine sichere Verbindung erreichbar. 42 Prozent geben Google keine brauchbare Beschreibung mit, auf mehr als der Hälfte lässt sich die Telefonnummer am Handy nicht antippen, und bei zwei Dritteln braucht der Hauptinhalt am Smartphone länger als vier Sekunden. Die gute Nachricht: Fast alles davon lässt sich mit wenig Aufwand beheben.
Die wichtigsten Ergebnisse
Basis: 241 erreichbare Startseiten. *Basis: alle 298 geprüften Websites. **Basis: 237 Startseiten mit PageSpeed-Messung.
Jede fünfte Seite hat ein Problem mit der sicheren Verbindung
57 der 298 Websites (19 Prozent) ließen sich nicht sauber über HTTPS aufrufen. Bei 34 lag es an der Verschlüsselung selbst: Das Zertifikat war abgelaufen, selbst ausgestellt oder passte nicht zur Adresse, oder der Server sprach ein veraltetes Verschlüsselungsverfahren. 24 Seiten funktionierten nur noch über das unsichere http. Der Rest war gar nicht erreichbar, blockierte automatische Abrufe oder lieferte eine Fehlerseite.
Für Besucher heißt das: Der Browser zeigt eine Warnung wie „Diese Verbindung ist nicht sicher“, und die meisten klicken dann weg. Auch bei den erreichbaren Seiten fehlte bei 13 Prozent die automatische Weiterleitung von http auf https. Wer die Adresse ohne „https“ eintippt, landet dann auf einer unsicheren Version.
Google bekommt zu wenig Futter
42 Prozent der Startseiten fehlt ein ordentlicher Seitentitel mit Beschreibung. Google schreibt sich die Vorschau in den Suchergebnissen dann selbst zusammen, oft aus Menüpunkten oder Cookie-Hinweisen. Noch deutlicher: 69 Prozent hinterlegen ihre Firmendaten nicht in maschinenlesbarer Form (strukturierte Daten). Adresse, Öffnungszeiten und Art des Betriebs muss Google dann erraten. Wie das zusammen mit dem Google-Eintrag funktioniert, steht im Ratgeber Google-Unternehmensprofil einrichten.
Bei der Überschriftenstruktur sieht es gemischt aus: Nur gut die Hälfte (51 Prozent) hat genau eine Hauptüberschrift. Das ist kein Weltuntergang, hilft Google und Screenreadern aber beim Verstehen der Seite.
Am Handy wird es umständlich
Fast alle Seiten sind inzwischen grundsätzlich fürs Smartphone eingerichtet, nur 9 Prozent nicht. Auffällig: Bei Kanzleien und Beratern war es fast jede fünfte Seite (19 Prozent). Der Haken liegt woanders. Auf 56 Prozent der Startseiten ist die Telefonnummer kein antippbarer Link. Am Handy heißt das: Nummer merken, App wechseln, abtippen. Und auf 30 Prozent der Startseiten gibt es überhaupt keinen Kontakt mit einem Klick, also weder Telefon-Link noch E-Mail-Link, Formular oder WhatsApp.
Was auf eine Handwerker-Website gehört, damit Kunden schnell anrufen oder anfragen, steht in unserer Checkliste.
Zwei Drittel laden am Smartphone zu langsam
Die Ladezeit haben wir mit Google PageSpeed Insights gemessen, so wie Google selbst eine Seite am Smartphone bewertet. Der mittlere Wert liegt bei 72 von 100 Punkten. Das klingt ordentlich, aber nur 22 Prozent der Seiten erreichen die grüne Zone ab 90 Punkten, 6 Prozent liegen unter 50.
Deutlicher wird es bei der Zeit, bis der Hauptinhalt sichtbar ist, also das große Bild oder die Überschrift oben auf der Seite. Google wertet bis 2,5 Sekunden als gut und ab 4 Sekunden als schlecht. Bei 66 Prozent der Startseiten dauerte es länger als 4 Sekunden, im Mittel 6,3 Sekunden. Am langsamsten war die Gastronomie: 79 Prozent über 4 Sekunden, im Mittel 7,3 Sekunden. Am schnellsten waren Kanzleien und Berater mit 56 Prozent über 4 Sekunden und im Mittel 4,4 Sekunden.
Anteil der Startseiten, deren Hauptinhalt am Smartphone länger als 4 Sekunden braucht (Largest Contentful Paint), in Klammern der Median. Basis: 237 gemessene Startseiten.
Wer wartet, springt ab. Gerade wer unterwegs nach einem Handwerker oder einem Restaurant sucht, tippt nach ein paar Sekunden aufs nächste Suchergebnis. Typische Bremsen sind unkomprimierte Fotos, zu viele Erweiterungen und eingebundene Fremddienste.
Datenschutz und Recht: kleine Lücken, teure Folgen
16 Prozent der Seiten laden Schriften direkt von Google-Servern. Damit wird beim Aufruf die IP-Adresse des Besuchers an Google übertragen. Das Landgericht München hat dafür 2022 Schadensersatz zugesprochen, danach gab es eine Welle von Abmahnschreiben. Die Lösung ist einfach: Schriften auf dem eigenen Server ablegen.
Rund jede sechste Seite bindet Tracking- oder Werbedienste ein, etwa Google Analytics oder das Meta-Pixel. Bei einem Viertel davon war kein Cookie-Banner zu erkennen. Ähnlich bei eingebetteten Karten, Videos und reCAPTCHA. In der Gastronomie war dieses Muster besonders häufig. Bei 13 Prozent der Startseiten fanden wir keinen Link zu Impressum oder Datenschutzerklärung. Wann ein Banner wirklich nötig ist, erklärt der Ratgeber Cookie-Banner: Wann brauchst du einen?
Barrierefreiheit: Bilder ohne Beschreibung
Auf 72 Prozent der Startseiten hat mindestens ein Bild keine Bildbeschreibung (Alt-Text). Menschen mit Screenreader erfahren dann nicht, was zu sehen ist, und Google versteht die Bilder schlechter. In der Gastronomie waren es sogar 81 Prozent. Welche Pflichten das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz kleinen Betrieben tatsächlich auferlegt, steht im Ratgeber BFSG: Betrifft es meine Website?
Womit die Seiten gebaut sind
39 Prozent der Websites laufen mit WordPress. Baukästen wie Jimdo, Wix oder IONOS kamen zusammen auf rund 6 Prozent, TYPO3 und Joomla auf je knapp 4 Prozent. Bei 46 Prozent war das System von außen nicht eindeutig zu erkennen. Von den WordPress-Seiten, die ihre Version verraten, lief gut ein Viertel nicht auf dem aktuellen Stand. Das ist eine kleine Gruppe (16 Seiten), zeigt aber: Updates bleiben im Alltag oft liegen.
Die drei schnellsten Verbesserungen
- Sichere Verbindung prüfen: Deine Adresse einmal mit und ohne „https://“ und mit und ohne „www“ aufrufen. Taucht irgendwo eine Warnung auf, muss dein Hoster das Zertifikat erneuern oder die Weiterleitung einrichten.
- Telefonnummer antippbar machen: Die Nummer als Link einbauen, am besten oben im Kopfbereich. Das dauert Minuten und bringt mehr Anrufe vom Handy.
- Titel und Beschreibung setzen: Für die Startseite einen Titel mit Gewerk und Ort und eine Beschreibung von rund 150 Zeichen. So bestimmst du selbst, was bei Google steht.
So sind wir vorgegangen
Grundlage sind 6.725 Betriebe mit eingetragener Website aus der freien Kartendatenbank OpenStreetMap, in 16 Städten des Ruhrgebiets und am Ruhrrand: Bochum, Bottrop, Castrop-Rauxel, Dortmund, Essen, Gelsenkirchen, Hattingen, Herdecke, Herne, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen, Recklinghausen, Sprockhövel, Unna, Wetter (Ruhr) und Witten. Daraus haben wir eine Stichprobe von 298 Websites gezogen, gleichmäßig verteilt über Städte und fünf Branchengruppen: Handwerk, Gastronomie, Gesundheit und Beauty, Kanzleien und Beratung, Handel und Dienstleistung. Filialketten, Konzerne, Vereine und Behörden haben wir ausgeschlossen.
Geprüft wurde am 31. Oktober 2026 jeweils nur die Startseite, automatisiert und mit einem einzigen Abruf pro Website. Ausgewertet haben wir den ausgelieferten Quelltext. Was erst durch Skripte nachgeladen wird, kann dabei fehlen. Die Werte sind deshalb als gute Annäherung zu verstehen, nicht als Einzelgutachten. Die Ladezeit haben wir zusätzlich mit Google PageSpeed Insights in der Smartphone-Ansicht gemessen. Das ist eine Labormessung mit gedrosselter Mobilverbindung, echte Besucher mit schnellem WLAN erleben die Seiten schneller. Für 237 der 241 erreichbaren Startseiten lieferte Google ein Ergebnis. Betriebe in OpenStreetMap sind tendenziell etwas digitaler als der Durchschnitt, die tatsächliche Lage dürfte also eher schlechter sein. Einzelne Betriebe nennen wir nicht.
Häufige Fragen
Ist meine Website in der Studie?
Das verraten wir nicht. Wir veröffentlichen nur zusammengefasste Zahlen. Wenn du wissen willst, wie deine Seite abschneidet, prüf sie kostenlos im Website-Check. Dort testen wir dieselben Punkte und zusätzlich die Ladezeit.
Darf ich die Zahlen verwenden?
Gern, mit Quellenangabe „POTTRA Website-Studie Ruhrgebiet 2026“ und einem Link auf diese Seite. Für Presseanfragen und weitere Auswertungen nach Branche schreib uns.
Wie wurde die Ladezeit gemessen?
Mit Google PageSpeed Insights in der Smartphone-Ansicht, also mit derselben Messung, die Google für seine Bewertung nutzt. Sie simuliert ein Mittelklasse-Handy mit langsamer Mobilverbindung. Deine eigene Seite kannst du im Website-Check genauso messen lassen.
Wie schneidet deine Seite ab?
Der Website-Check prüft deine Startseite in unter einer Minute, kostenlos und ohne Anmeldung.